Der Autor

Maximilian Puelma Touzel (31) hat an der Universität von Toronto Physik studiert. Seit 2011 promoviert er am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation. Er forscht zum Thema Netzwerkdynamik im Riechkolben.

Frag' den Wissenschaftler

Warum wecken Gerüche alte Erinnerungen?

„Die Erinnerung erscheint plötzlich vor meinem inneren Auge. …  in diesem Augenblick…“ sind „ … ganz Combray und seine Umgebung… aus meiner Tasse Tee entstanden.“

Auf diese Weise beschreibt der französische Romancier Marcel Proust, wie ihn ein einfacher Schluck Tee eindringlich und unerwartet an die Sonntagmorgen aus einer vergessenen Phase seiner Kindheit erinnerte. Damals gab ihm seine Tante immer eine Madeleine, ein französisches Kleingebäck, die sie zuvor in ihren Tee getaucht hatte. Auch viele andere Menschen berichten, wie ein Geruch überraschend eine alte Erinnerung heraufbeschworen hat – auch wenn die genauen Einzelheiten dieser Erinnerung manchmal fehlen. Ich selbst habe das auch schon erlebt. Wir alle kennen wahrscheinlich einige besonders „kraftvolle“ Gerüche, die eng mit einem Teil unserer Vergangenheit verknüpft sind. Allerdings werden wir uns dessen erst dann bewusst, wenn wir einem dieser Gerüche gerade ausgesetzt sind.

Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es bisher keine endgültige Erklärung für dieses Phänomen. Neurowissenschaftler weisen jedoch oft auf den Weg hin, den Geruchsinformationen in unserem Gehirn durchlaufen: Einige dieser Nervenpfade führen direkt von unserer Nase zur Gedächtnisschaltzentrale unseres Gehirns, dem Hippocampus. Andere Sinneswahrnehmungen durchlaufen hingegen zunächst noch eine Zwischenstation, den Thalamus. Der Geruchssinn scheint in dieser Hinsicht eine Sonderstellung einzunehmen.

Zudem ist der Geruchssinn wahrscheinlich evolutionär der älteste unserer Sinne. Es ist deshalb in der Tat möglich, dass der Geruchssinn enger mit der Gedächtnisschaltzentrale verknüpft ist. Möglicherweise ist diese Verknüpfung zudem in jungen Jahren besonders ausgeprägt. 

Psychologen argumentieren häufig, dass die Verbindung einer Erinnerung mit starken Gefühlen hilfreich für das spätere Erinnern sein kann. So nimmt etwa ein Kind bei einer innigen Umarmung mit einem Elternteil auch bestimmte Gerüche wahr. Diese helfen, die Erinnerung abzuspeichern und später im Leben abzurufen.

Wie dem auch sei: Wenn ein Geruch eine Kindheitserinnerung weckt, nehmen Sie sich etwas Zeit und genießen Sie diesen Augenblick! Ihr Gehirn erinnert Sie gerade daran, wo Sie herkommen. Proust würde das gutheißen.

 
loading content
Zur Redakteursansicht