Autor

Dr. med. Thomas Lorf
Dr. med. Thomas Lorf

Universitätsmedizin, Göttingen

Dr. med. Thomas Lorf (48) hat Humanmedizin in Berlin studiert und arbeitete bis 1991 Transplantationschirurg an der Charite in Berlin. Von 1991 bis 1995 chirurgische und wissenschaftliche Tätigkeit an der Harvard-Universität Boston. Seit 1. Februar 1995 ist er Leitender Oberarzt der Transplantationschirurgie in der UMG.

Frage:

Wie lange funktioniert ein transplantiertes Organ?

Antwort:

Die Funktionsdauer eines transplantierten Organs hängt bei jedem einzelnen Patienten von vielen Faktoren ab und kann daher nicht auf einen bestimmten Zeitraum festgelegt werden. Hierfür gibt es viele Gründe. Für eine Transplantation von Herz, Leber und Niere, wie sie in der Universitätsmedizin Göttingen durchgeführt werden, kommen Patienten in Frage, die an einem endständigen Organversagen leiden. Ist die Diagnose gestellt, werden die Patienten bei Euro-Transplant zur Transplantation gemeldet. Kommt es zur Transplantation, bringt jeder Patient seine individuellen Voraussetzungen in Bezug auf Alter, Art, Schwere und Dauer der Erkrankung oder Zusatzkomplikationen mit. Nach der Operation muss der Patient Medikamente einnehmen, die seine Körperabwehr künstlich herabsetzen, um eine Abstoßung des fremden Organs zu verhindern. Zusätzlich müssen spezielle Verhaltensmaßregeln befolgt werden. So müssen sich zum Beispiel transplantierte Patienten besonders vor Infektionen schützen und die Nachsorgebehandlung lückenlos wahrnehmen.

Diese individuellen Voraussetzungen des Patienten, seine Wartezeit und die Qualität des Spenderorgans spielen eine entscheidende Rolle für die individuelle Funktionsdauer des transplantierten Organs. In Einzelfällen können auch unvorhersehbare Komplikationen oder Ereignisse das Organüberleben beeinflussen.

Seit über 30 Jahren werden Herz-, Leber und Nierentransplantation in größerem Umfang durchgeführt, und seit Mitte der 80er Jahre gibt es länderübergreifende Statistiken zur Überlebenszeit der Organe. Die durchschnittliche 1-Jahres-Überlebensrate für Herz, Leber und Niere liegt bei 90 Prozent, nach drei bis fünf Jahren bei 70 bis 90 Prozent. Wir kennen jedoch viele Patienten, die zwischen 15 und 20 Jahren mit einem funktionierenden Spenderorgan leben. Die längste bekannte Funktionsrate einer Leber beträgt über 30 Jahre, bei der Niere über 35 Jahre. Statistisch gesehen kann die 20-Jahres-Überlebensrate für alle drei Organe nur mit geschätzten 40 Prozent angegeben werden, da über einen so langen Zeitraum viele verschiedene Einflüsse auf den Patienten einwirken und die Datenerhebung schwierig ist.

Die Transplantation ist eine seit vielen Jahren anerkannte und standardisierte Behandlungsmethode. Durch die ständige Weiterentwicklung spezieller Medikamente können eventuelle negative Begleiterscheinungen einer Transplantation immer besser ausgeglichen und Abstoßungen erfolgreich bekämpft werden. So ist zu erwarten, dass die Funktionsdauer der Transplantate weiter gesteigert werden kann.

 
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