Ein Garten der Physik - 70 Alumni gratulieren mit reicher Themenvielfalt

Professor Dr. Dr. Jan-Peter Toennies feiert seinen 85.Geburtstag mit einem besonderen Jubiläums-Symposium

13. Mai 2015

Der langjährige Max-Planck Direktor Professor Dr. Dr. Jan-Peter Toennies feiert seinen 85.Geburtstag mit einem Symposium der besonderen Art. Siebzig ehemalige Doktoranden und Studierende werden ihrem Doktorvater am Freitag, den 15.Mai 2015 in der alten Wirkungsstätte des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation, in der Göttinger Bunsenstraße mit dem Symposium „Ein Garten der Physik: ehemalige Studenten in neuen Feldern“ ein Stelldichein geben.

Professor Dr. Dr. Jan-Peter Toennies

„Meine 200 Doktoranden haben gelernt zu lernen“, sagt der 85-jährige Jan-Peter Toennies. „So stellen einige der von mir ausgebildeten Wissenschaftler auf dem eintägigen Jubiläums-Symposium die Forschung vor, die sie bei mir nicht gelernt haben.“  Der Jubilar ist stolz auf alle seine Schüler und ist besonders gespannt auf den Vortrag über „Die Massenspektronomie großer Biomoleküle“ von seinem ehemaligen Schüler und jetzigen Direktor am Max-Planck-Institut für Biochemie im bayrischen Martinsried, Professor Dr. Matthias Mann. 

Jan-Peter Toennies ist am 3. Mai 1930 in Philadelphia geboren und wuchs als Sohn deutscher Einwanderer in Gladwyne einem Vorort von Philadelphia auf. Er studierte am Amherst College und der Brown University, wo er 1957 in Chemie promovierte. Von 1953 und 1954 arbeitete er als Fulbright-Stipendiat an der Universität Göttingen und als Post-Doc ab 1957 mit einem Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bei Wolfgang Paul (Nobelpreis  für Physik 1989) an der Universität Bonn, dessen wissenschaftlicher Assistent er war. 1965 habilitierte er sich dort und wurde Privatdozent. Von 1965 bis 1974 war er außerdem Gastprofessor für Physikalische Chemie an der Universität Göteborg.

Jan-Peter Toennies ist seit Januar 1969 wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft  und war 29 Jahre- von 1969 bis 1998 - Direktor des Max-Planck-Instituts für Strömungsforschung. Danach leitete Toennies die experimentelle Molekularstrahlgruppe als amtierender oder kommissarischer Direktor bis 2004. In dieser Zeit wurde das damalige Institut für Strömungsforschung  auf nichtlineare Dynamik neu ausgerichtet und heißt seitdem Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation.

Das Bild illustriert die einzelnen Schritte bei der Untersuchung einer chemischen Reaktion in ultrakalten Helium Nanotroepfchen mit einer Temperatur von etwa 0,38 Kelvin.  Auf ihrem Weg durch die Vakuumapparatur nehmen die Troepchen erst mehrere Xenon Atome auf, die im Innern des Troepfchen einen  Cluster bilden.  Im naechsten Schritt wird das  Troepfchen Barium Atomen ausgesetzt, von dem ein einzelnes  aufgenommen wird.  Dieses wird in das  Innere des Troepfchens durch das Xenon Cluster angezogen. Anschliessend nimmt das Troepfchen ein Stickstoffoxid Molekuel auf, das ebenfalls in das Innere gezogen wird.  Dort reagiert es mit dem Barium Atom.  Die Reaktionsenergie, die bei der Bildung des Bariumoxid Molekuels frei gesetzt wird,  wird abgestrahlt und spekroskopisch analysiert. Aus den Spektren erhaelt man erstmals Information ueber den Ablauf einer Reaktion bei Temperaturen nahe des absoluten Nullpunkts.

Professor Toennies befasst sich bis heute mit der Untersuchung der grundlegenden Wechselwirkungen zwischen Atomen und Molekülen in der Gasphase und in Festkörpern. Seine Gruppe war die erste, die neue Einsichten in die atomare Wechselwirkungen, die zu der Supraleitung in dünnen Bleischichten führen, gefunden hat. Auch haben seine Mitarbeiter erstmalig neue Quanteneffekte bei kleinen Helium Clustern und die Suprafluidität in Nanotröpfchen aus Helium entdeckt.  Damit ist das reibungsfreie Fließen einer Flüssigkeit gemeint, das nur wenige Grad über dem absoluten Temperaturnullpunkt auftritt und ein Beispiel für eine der wenigen, einzigartigen makroskopischen Erscheinungen der Quantenphysik.

Jan-Peter Toennies wurde mit bedeutenden nationalen und internationalen Ehrungen bedacht. So ist er seit 1990 korrespondierendes Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften und seit 1993 Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. 2002 erhielt Jan-Peter Toennies den wichtigsten Preis für experimentelle Physik in Deutschland, die Stern-Gerlach-Medaille der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. 2006 erhielt er zusammen mit Giacinto Scoles die Benjamin-Franklin-Medaille, die ihnen für ihre einzigartige Untersuchung von Molekülen in ultra-kalten Heliumtropfen verliehen wurde. Außerdem ist er Ehrendoktor des Amherst Colleges und der Universität von Göteburg. (CH/CB)

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