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Carolin Hoffrogge
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Tierschutz

Tierschutz am MPIDS

Wissen zum Wohl von Mensch und Tier

Der Drang, Neues zu entdecken und die Welt zu verstehen, ist so alt wie die Menschheit selbst. Das Streben nach Wissen ist eine moralische Verpflichtung, denn es verleiht dem Menschen die Fähigkeit, die Konsequenzen seines Handelns zu erkennen – und nur wer die Folgen seines Tuns kennt, kann verantwortungsbewusst handeln.

Das Göttinger Minipig Bild vergrößern
Das Göttinger Minipig

Die physikalische, biologische und medizinische Grundlagenforschung dient nicht nur dem Erkenntnisgewinn, sie ist – am Beispiel der Medizinforschung - auch Voraussetzung für die Entwicklung neuer Diagnose- und Behandlungsmethoden von Krankheiten. So können Forscher zwar beispielsweise Blut in einem Reagenzglas analysieren oder ein schlagendes Herz im Labor untersuchen. Die verschiedenen Faktoren, die den Blutdruck regulieren, lassen sich aber nur in einem lebenden Organismus untersuchen – und das bedeutet in der Regel durch Tierversuche.

Wissenschaftler erforschen deshalb das Zusammenspiel von Molekülen, Zellen und Organen an eigens dafür gezüchteten Versuchstieren, wenn sie die Vorgänge aus ethischen Gründen nicht direkt am Menschen erforschen können. Möglich wird dies durch die große biologische Ähnlichkeit von Mensch und Tier - ihre Gene, Zellen und Organe erfüllen sehr oft ähnliche oder gleiche Aufgaben.. Nicht selten führt eine Forschungsarbeit an Tieren zu Behandlungen, die sowohl Menschen als auch Tieren zugute kommen. Denn viele Krankheiten, die den Menschen bedrohen, kommen auch bei Tieren vor: Hunde leiden an Diabetes, Mäuse und Ratten an Bluthochdruck, Krebs und Infektionen. Trotz der Unterschiede zwischen Menschen und Tieren kann Grundlagenforschung so in neue Behandlungen münden – auch für die Tiere selbst. Fast 90 Prozent aller bei Mensch und Haustier verwendeten Medikamente sind identisch.

Erkrankungen des Gehirns oder Herzens verstehen lernen

Das Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS) widmet sich dem besseren Verständnis von Zusammenhängen in dynamischen Systemen. Neben bekannten physikalischen Phänomenen stellt auch der Mensch ein solches selbstorganisiertes, komplexes System dar, welches sich in einem labilen Gleichgewicht zwischen chaotisch (= krank) und kompensiert (= gesund) hin und her bewegt. Dabei repräsentiert der Mensch ein komplexes Mosaik aus einer Vielzahl kleinerer nichtlinearer, dynamischer Systeme, die durch ihr Zusammenwirken das gesamte System „Mensch“ organisieren. Zu diesen kleineren Reaktionssystemen gehören zum Beispiel die neurologischen Verknüpfungen im Gehirn oder auch das Herz. Um den grundlegenden Mechanismus von Erkrankungen des Gehirns oder des Herzens zu erkennen, führen wir am MPIDS unter anderem auch Tierversuche durch.

Wann immer möglich, setzen wir alternative, tierversuchsfreie Methoden wie beispielsweise Computersimulationen oder Zellkulturen ein, um Vorgänge in physiologischen Systemen zu untersuchen. Versuche mit Labortieren führen wir nur dann durch, wenn alle anderen Methoden für die wissenschaftliche Fragestellung nicht geeignet sind. Jeder tierexperimentelle Versuch wird stets sorgfältig abgewogen.

Petrischale und Computersimulationen statt Tierversuch

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Bevor wir am Institut  für unsere Forschung Tierversuche in Erwägung ziehen, werden extensiv tierversuchsfreie Alternativmethoden durchgeführt. Darunter fallen Computersimulationen genauso wie spezielle in-vitro Verfahren (Zellkulturen und Zelllinien), die die physiologischen Zusammenhänge in einem kontrollierbaren Rahmen widerspiegeln. Doch diese alternativen Methoden haben auch Grenzen und ab einem bestimmten Punkt wird die Simulation dem lebenden Organismus nicht mehr gerecht. Erst ab diesem Zeitpunkt werden Tierversuche in unsere wissenschaftliche Arbeit miteinbezogen.

Dabei liegt uns der Tierschutz sehr am Herzen und alle tierexperimentell tätigen Instituts-Mitarbeiter verpflichten sich sowohl die Anzahl als auch die Belastung der Versuchstiere so gering wie möglich zu halten. Dazu gehört auch, dass sich die zuständigen Mitarbeiter stets auf dem Gebiet der Versuchstierkunde fortbilden. Damit wird das Erkennen und das daraus resultierende Vermeiden unnötiger Belastungen für die Tiere sichergestellt. Ohne eine solche Schulung darf kein Institutsangehöriger derartige Experimente durchführen, dabei richtet sich unser MPIDS strikt nach dem Tierschutzgesetz.

Tierschutz, bestmögliche Haltungsbedingungen und verantwortungsvoller Umgang mit den Tieren sind uns ethische Verpflichtung. Sie sind darüber hinaus auch unabdingbare Voraussetzung dafür, dass verwertbare und reproduzierbare wissenschaftliche Ergebnisse entstehen. Ergebnisse aus Experimenten mit gestressten Tieren oder Tieren mit Vorerkrankungen wären für die Forschung unbrauchbar.

3-R-Prinzip

Alle tierexperimentell arbeitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Institut sind darauf bedacht, die Anzahl der Tierversuche wie auch die Belastung der Tiere in den einzelnen Versuchen so gering wie möglich zu halten. Wenn Versuche geplant und durchgeführt werden, wenden wir das so genannte 3-R-Prinzip an. 3-R steht für „reduce, refine, replace“ –  „vermindern, verbessern, ersetzen“: Die Zahl der Tiere pro Versuch wird auf das unbedingt erforderliche Minimum reduziert und Versuche von verschiedenen Gruppen werden koordiniert durchgeführt (reduction); die Durchführung der Versuche und die Haltung der Tiere werden so optimiert, dass die Tiere so gering wie möglich belastet werden (refinement); Tierversuche werden durch Alternativmethoden ersetzt, wann immer dies möglich ist (replacement).

Als viertes R hat sich die Max-Planck-Gesellschaft dem Prinzip Verantwortung (responsibility) verpflichtet. Damit will sie die Erforschung von Methoden  unterstützen, mit denen sich die Einhaltung des 3-R-Prinzipt verbessern lässt. Darüber hinaus fördert sie die Verbreitung  solcher Ansätze über eine Open-Access-Politik. Genauso soll das Sozialleben von Versuchstieren  verbessert werden, um ihnen damit ein optimales Lebensumfeld  zu bieten.

Hohe Qualitätsstandards in der Tierhaltung

Die hohen Qualitätsstandards bei tierexperimentellen Vorhaben am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation  werden von einer Tierschutzbeauftragten, einer erfahrenen Fachtierärztin für Versuchstiere, ständig überwacht und mittels regelmäßiger Kontrollen durch das Veterinäramt bestätigt. Zudem berät die Tierschutzbeauftragte die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler  bei der Planung und Durchführung der tierexperimentellen Forschungsvorhaben und trägt dafür Sorge, dass die Belastung für die Tiere stets so gering wie möglich gehalten wird.  

Entsprechend der neuen Vorgaben des Deutschen Tierschutzgesetzes, das im Jahr 2013 in neuer Fassung in Kraft trat, ist am Institut ferner eine institutsinterne Kommission tätig, die sich aus der Tierschutzbeauftragten, tierexperimentell tätigen Wissenschaftlern, technischen Assistenten sowie Tierpflegern zusammensetzt. Dieses Gremium unterstützt die Tierschutzbeauftragte mit dem Ziel, allen Belangen des Tierschutzes optimal Rechnung zu tragen.

Strenge Vorschriften kontrollieren in Deutschland die tierexperimentelle Forschung wie kaum einen anderen Bereich der Tierhaltung und -nutzung. Jeder Tierversuch an einem Wirbeltier ist genehmigungspflichtig und die Zulassungsbehörden überprüfen in jedem Einzelfall, ob der Versuch unerlässlich ist oder ob die angestrebten Erkenntnisse auch auf andere Weise gewonnen werden können. Alle Tierversuche am MPIDS müssen vom Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit mit Sitz in Oldenburg genehmigt oder der Behörde angezeigt werden.

Zusätzlich sind in der Tierschutz-Versuchstierverordnung (TierSchVersV) die Details für die Arbeit mit Versuchstieren vorgegeben, nach denen wir uns ebenfalls strikt richten. Vertreter der zuständigen Behörden haben jederzeit Zutritt zu den Versuchsanlagen.

 
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