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Carolin Hoffrogge
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Göttinger Giganten auf deren Schultern wir stehen

Ramin Golestanian, Direktor am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS) bot Führung über Göttinger Stadtfriedhof

7. Mai 2019

Im Rahmen des "Forum Wissen" führte Direktor Ramin Golestanian eine Schar von 20 interessierten Gästen über den historischen Stadtfriedhof in Göttingen. Sein Thema: "Göttinger Giganten auf deren Schultern wir stehen"- Mathematiker und Physiker, die mit ihrer Wissenschaft wegweisend bis heute Forschung und Lehre beeinflussen.

Der Rundgang fängt gleich mit zwei echten Giganten an, mit Wilhelm Weber, einer der Göttinger Sieben, und mit Carl-Friedrich Gauß, zusammen die Entwickler eines der ersten Telegrafen sowie mit seinem Grabnachbarn Max Born, der die Quantenmechanik maßgeblich beschrieb. Auch wenn sich die beiden Physiker Weber und Born nicht kannten, da sie 100 Jahre auseinander gelebt haben, so waren sie doch beide ausgesprochen standhafte Persönlichkeiten der Wissenschaft, betont Direktor Golestanian. Damit verkörpern Wilhelm Weber und Max Born für ihn die Göttinger Giganten par excellence.

Blühende Bäume auf dem Göttinger Stadtfriedhof Bild vergrößern
Blühende Bäume auf dem Göttinger Stadtfriedhof

Weiter geht´s bei prasselndem Regen und kleinen Windböen an diesem kalten Frühlingsabend, zu den anderen Gräbern der berühmten Mathematiker und Physiker, die den Göttinger Stadtfriedhof zu einer Wissenslandschaft machen. Einer, der dabei eine große Rolle spielte, war Felix Klein, der an der Göttinger Universität als Mathematiker lehrte und der unter anderem auch Max Planck unterrichtete. 1886 erhielt er den Ruf nach Göttingen, 12 Jahre später, 1898 holte er David Hilbert nach Göttingen. Zusammen gründeten sie die Göttinger Vereinigung zur Förderung der angewandten Mathematik und Physik, Neue Lehrstühle konnten gegründet werden, beispielsweise für Geophysik und physikalische Chemie. Auch setzte sich Felix Klein für eine universitäre Ausbildung von Frauen ein. Eine seiner wissenschaftlichen Erfindungen, die „Kleinsche Flasche“, demonstrierte MPIDS-Direktor Golestanian während seiner eineinhalbstündigen Führung mit einer selbstgebauten Papprolle. Die Kleinsche Flasche ist ein geschwungener Glasbehälter, in dem das Innere gleichzeitig das Äußere darstellt.

Prof. Golestanian vor Felix Kleins Grab Bild vergrößern
Prof. Golestanian vor Felix Kleins Grab

Auch war es das Engagement von Felix Klein und David Hilbert, das die Mathematikerin Emmy Noether nach Göttingen holte. Emmy Noether lieferte grundlegende Beiträge zur abstrakten Algebra und zur theoretischen Physik. Insbesondere revolutionierte sie die Theorie der Ringe, Körper und Algebren. Als Emmy Noether im November 1915 an der Universität Göttingen einen Antrag auf Habilitation stellte, wurde dieser an der rein männlichen Fakultät sehr kontrovers diskutiert. Aber schlussendlich setzen sich Felix Klein und David Hilbert durch. In einer Sitzung rief David Hilbert laut aus: „Meine Herren, eine Fakultät ist keine Badeanstalt!“ Emmy Noether durfte sich habilitieren. Ein für das MPI für Dynamik und Selbstorganisation sehr interessanter Wissenschaftler war Max von Laue, der 1914 für seine „Entdeckung von Röntgenstrahlen beim Durchgang von Kristallen“ den Nobelpreis erhielt. Während der Nazidiktatur setzte sich Max von Laue für seine jüdischen Kollegen ein, und auch mit Albert Einstein verband ihn eine lebenslange Freundschaft. 1957 gehörte Max von Laue zu den Mitunterzeichnern der „Göttinger Erklärung der 18 Atomforscher“ gegen die Bewaffnung der Bundeswehr mit Atomwaffen. Mehrere Jahre lebte Max von Laue im Gästehaus des MPIDS in der Bunsenstraße, hier war er dann auch bei der Gründung der Max-Planck-Gesellschaft vor 71 Jahren dabei.

Bei der Friedhofsführung erklärt Direktor Golestanian zudem die Forschungserrungenschaften von Bernhard Riemann, Otto Hahn, James Franck, Karl Schwarzschild, Max Planck, Adolf Windaus und Walther Nernst – denn all ihre Gräber befinden sich auch auf dem beindruckend schönen Stadtfriedhof. Mit den Worten David Hilberts "Wir müssen wissen, wir werden wissen." – auf Hilberts Grabstein eingemeißelt, beendet Physiker Golestanian seine Tour. Sein Fazit: Die vielen genialen Mathematiker und Physiker, die Giganten der vergangenen Jahrhunderte, haben die mathematische und physikalische Fakultät der Universität Göttingen zum Vorbild vieler internationaler Forschungseinrichtungen gemacht – bis heute.

Im Frühsommer wird Direktor Golestanian erneut eine Führung über die "Göttinger Giganten, auf deren Schultern wir stehen" auf dem Stadtfriedhof anbieten. Der Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben. (CH)

 
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