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Carolin Hoffrogge
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Göttinger Literaturherbst

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Flyer zur Vortragsreihe

Von Honigbienen, heißen Quellen und dem Herz des Denkens

Die Vortragsreihe „Wissenschaft beim Göttinger Literaturherbst“ präsentiert vom 13. bis 22. Oktober spannende Erkenntnisse aus den Natur- und Gesellschaftswissenschaften.

30. August 2017

Acht renommierte Wissenschaftler und Sachbuchautoren aus dem In- und Ausland führt die Vortragsreihe „Wissenschaft beim Göttinger Literaturherbst“ in diesem Jahr nach Göttingen. In der Zeit von Freitag, 13. Oktober, bis Sonntag, 22. Oktober, jeweils um 19 Uhr bieten sie allgemeinverständliche Einblicke in ihr jeweiliges Forschungsfeld. Die Vorträge beschreiben exotische Lebensgemeinschaften in der Tiefsee, die Effizienz und Schönheit des Bienenstaats sowie die erkenntnistheoretischen Eigenheiten der Astrophysik; sie tauchen ein in die einzigartige Gedankenwelt Albert Einsteins, spüren den Grundlagen menschlichen Denkens nach sowie dem komplexen Verhältnis von Vertrauen und Gewalt. Ebenso werden mit der Flüchtlingskrise und dem Einfluss künstlicher Intelligenz auf politische Entscheidungen brisante gesellschaftliche Fragen thematisiert. Die diesjährige Science Communication Medaille erhält der amerikanische Physiker und Pulitzer-Preisträger Douglas R. Hofstadter.

Wie funktioniert Denken? Dieser grundlegenden Frage geht der amerikanische Physiker Douglas R. Hofstadter nach. Seiner Auffassung nach spielt die Fähigkeit, Analogien zu bilden, also von konkreten Erfahrungen auf Allgemeines zu abstrahieren, dabei eine entscheidende Rolle. In seinem Buch „Die Analogie. Das Herz des Denkens“, das er am Sonntag, 22. Oktober, vorstellt, gelingt es Hofstadter, seine Theorie menschlicher Kognition verständlich, unterhaltsam und mit Hilfe vieler Beispiele zu erläutern.

<p>Walter Stühmer vom MPI für Experimentelle Medizin, Gregor Eichele vom MPI für biophysikalische Chemie, Johannes-Peter Herberhold von der Göttinger Literaturherbst GmbH, Ulrich Christensen vom MPI für Sonnensystemforschung und Steven Vertovec vom MPI zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften (von links) stellten auf der Pressekonferenz zur Vortragsreihe „Wissenschaft beim Göttinger Literaturherbst“ die diesjährigen Sprecher vor.</p> Bild vergrößern

Walter Stühmer vom MPI für Experimentelle Medizin, Gregor Eichele vom MPI für biophysikalische Chemie, Johannes-Peter Herberhold von der Göttinger Literaturherbst GmbH, Ulrich Christensen vom MPI für Sonnensystemforschung und Steven Vertovec vom MPI zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften (von links) stellten auf der Pressekonferenz zur Vortragsreihe „Wissenschaft beim Göttinger Literaturherbst“ die diesjährigen Sprecher vor.

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Seit Jahrzehnten ist es Hofstadters Anliegen, die Themen und Ergebnisse der Kognitionswissenschaften einem breiten Publikum zu erschließen. Zahlreiche Aufsätze und Bücher zeugen von seinem Können, die komplexen Zusammenhänge seines Fachs anschaulich zu erklären und für den Laien greifbar zu machen. Die fünf Göttinger Max-Planck-Institute würdigen den Wissenschaftler in diesem Jahr mit der Science Communication Medaille. Die Auszeichnung wird jährlich im Rahmen der Vortragsreihe „Wissenschaft beim Göttinger Literaturherbst“ an Menschen verliehen, die sich besonders dafür einsetzen, wissenschaftliche Erkenntnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Frühere Preisträger sind David J. C. MacKay, Harald Lesch und Metin Tolan. Die diesjährige Medaille wird im Rahmen von Hofstadters Vortrag am Sonntag, 22. Oktober, verliehen.

Der Auftakt zur Wissenschaftsreihe entführt in eine gänzlich andere Welt. Am Freitag, 13. Oktober, lädt der Biologe und Imker Jürgen Tautz ein zu einer unterhaltsamen und detailreichen Betriebsbesichtigung im Bienenstock − und berichtet von Frauenpower, Netzwerktechnologie und Betriebsspionage in der Honigfabrik. Einer ebenso faszinierenden Lebensgemeinschaft widmet sich am Dienstag, 17. Oktober, Leibniz-Preisträgerin Nicole Dubilier. Am Grund der Tiefsee in unmittelbarer Nachbarschaft zu heißen, Schwefelwasserstoff spuckenden Quellen entdeckte die Wissenschaftlerin eine Zweckgemeinschaft aus Würmern und zwei Bakterienarten. Die Forscherin schildert, wie die ungewöhnliche Dreiecksbeziehung allen Beteiligten das Überleben in einer unwirtlichen Welt weitab jeglichen Sonnenlichtes sichert.

In die Tiefen des Universums und in die Gedankenwelt Albert Einsteins reisen die Besucher der Wissenschaftsreihe am Donnerstag, 19. Oktober, und Freitag, 20. Oktober. Zunächst wirft die Astrophysikerin und Journalistin Sibylle Anderl einen ungewohnt philosophischen Blick auf ihr Forschungsgebiet. In ihrem aktuellen (und gleichzeitig ersten) Buch „Das Universum und ich“ spürt sie den erkenntnistheoretischen Besonderheiten ihres Faches nach, das – wegen der unfassbaren Entfernung vom Forschungsobjekt – notgedrungen weitestgehend ohne Experimente auskommen muss. Wie sicher sind dennoch die Ergebnisse der Astrophysiker? Was können wir über Lichtjahre entfernte schwarze Löcher, sterbende Sterne und Babygalaxien wirklich wissen? Am folgenden Abend tauchen die Besucher ein in die Gedanken Albert Einsteins auf dem Weg zur allgemeinen Relativitätstheorie. Das Buch „The Road to Relativity“ bietet nicht nur einen liebevollen Abdruck des handschriftlichen Manuskripts, in dem Einstein 1915 seine allgemeine Relativitätstheorie darlegt. Vorwort und umfassende Anmerkungen des Wissenschaftshistorikers Jürgen Renn ermöglichen es zudem, Einsteins Weg von der speziellen zur allgemeinen Relativitätstheorie nachzuvollziehen, und ordnen das Werk in den historischen Kontext ein.

Auch verschiedenste gesellschaftswissenschaftlichen Themen sind in diesem Jahr beim Literaturherbst vertreten. Am Samstag, 21. Oktober, geht es um eine der drängendsten Fragen der jüngsten Zeit. In seinem Buch „Die neue Odyssee. Eine Geschichte der europäischen Flüchtlingskrise“, zeichnet der Brite Patrick Kingsley den Weg arabischer und afrikanischer Flüchtlinge von ihren Heimatorten bis nach Europa nach. In seinen reportageartigen, zum Teil beklemmenden Texten verleiht er einzelnen Flüchtlingen, Schleusern und Lokalpolitikern ein Gesicht und ermöglicht gleichzeitig einen Blick auf die politischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge, die das Geschäft mit dem Menschenschmuggel ermöglichen und aufrechterhalten.

Nicht weniger eindringlich widmet sich die Rechtswissenschaftlerin Yvonne Hofstetter am Mittwoch, 18. Oktober, dem Einfluss künstlicher Intelligenz auf die Demokratie. Die Autorin entwirft eine Vision der Zukunft, in der intelligente Maschinen Wirtschaft, Alltag und Politik beherrschen. Ein Prozess, der aus Sicht der Autorin bereits begonnen hat. Eingebettet ist das Sachbuch in einen Roman, der diesen schleichenden Übergang nachvollziehbar schildert. Jan Philipp Reemtsmas Buch „Vertrauen und Gewalt“ rundet das Programm der Vortragsreihe ab. Am Montag, 16. Oktober, beleuchtet der Germanist und Publizist das Verhältnis der Moderne zur Gewalt. Warum sind bestimmte Formen der Gewalt tabuisiert, obwohl sie dennoch auftreten? Warum bewahren wir das Vertrauen in die Moderne trotz der Gewaltexzesse des 20. Jahrhunderts?

Zum elften Mal stellt in diesem Jahr die Vortragsreihe „Wissenschaft beim Göttinger Literaturherbst“ aktuelle und lesenswerte Sachbücher in der einmaligen Atmosphäre der historischen Paulinerkirche vor. Veranstalter der Reihe sind die Göttinger Max-Planck-Institute, die Göttinger Literaturherbst GmbH, sowie die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek. Erstmals zählt in diesem Jahr auch das Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften zu den Veranstaltern. Wissenschaftler der fünf Göttinger Max-Planck-Institute moderieren die Vorträge und ermöglichen so einen einzigartigen und unterhaltsamen Austausch.

 
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