Autor

Eric Stellmanns
Eric Stellmanns

Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation, Göttingen

Eric Stellamanns (30) studierte Biologie an der TU Braunschweig. Seine Diplomarbeit fertigte er bei der Gesellschaft für biotechnologische Forschung (GBF) an mit dem Thema: Organisation und Regulation der DNA von Eukaryoten. Seit Juni 2006 arbeitet er am MPI für Dynamik und Selbstorganisation an seiner Doktorarbeit mit dem Thema: Dynamik der Biomaterie.

Frage:

Warum sprechen wir?

Antwort:

Die Verständigung über Laute ermöglicht im Gegensatz zu optischen Signalen eine Kommunikation in Abwesenheit von Licht, ohne direkten Sichtkontakt und über große Entfernungen hinweg. Dass dies von Vorteil sein kann, wird einem spätestens dann bewusst, wenn man zum Beispiel beim Pilze Suchen mitten im Wald die Angehörigen aus den Augen verloren hat. Mit einer Wellenlänge von nur 380 bis 760 Nanometern (also rund die Hälfte eines Millionstel Meters) kann bereits ein einzelnes Haar aufgrund von Beugungseffekten ein unüberwindbares Hindernis für Lichtteilchen des sichtbaren Spektrums darstellen. Der von Menschen wahrnehmbare Schall hingegen, mit Wellenlängen von 17 cm bis hin zu 17 Metern (20000-20Hz), kommt gut an jedem Baum oder gar Haus vorbei.

Da wir gleichfalls Licht nicht selbständig erzeugen können und sich im Gegensatz dazu beinahe jedes Wesen vorzeitig über den Schall ankündigt, hat sich neben dem Sehen sehr bald das Hören und folgerichtig auch das Rufen entwickelt. Säugetiere erzeugen Töne über ihre Atemluft welche sie an den Stimmlippen des Kehlkopfes entlang strömen lassen und diese dann im Mund-, Nasen-, Rachenraum mittels der Zunge zu unterschiedlichen Lauten modulieren. Als Säuger heben wir uns von diesem Grundbauplan nicht ab, sind in unserer Sprachleistung jedoch ungleich komplexer. Mehrere Faktoren haben diese Entwicklung ermöglicht und sich dabei gegenseitig verstärkt: Eine durch aufrechte Körperhaltung vergrößerte Lunge erlaubt die Aussprache mehrerer Laute in einem Atemzug. Des weiteren ist die Atmung nun nicht mehr streng mit der Fortbewegung gekoppelt, so dass freie Kommunikation auch während der Fortbewegung kein Hindernis mehr darstellt. Den wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Sprache hat aber wohl das immer größer werdende Gehirn geleistet, nur ist man sich nicht sicher, ob sich dieses Wachstum vor oder nicht viel mehr mit der Entwicklung der Sprache vollzogen hat.

 
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