Autor

Dr. Kerstin Mölter
Dr. Kerstin Mölter

Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation, Göttingen

Kerstin Mölter hat in Hohenheim Agrarbiologie mit dem Schwerpunkt Standortskunde studiert und an der GSF Neuherberg im Institut für Bodenökologie  promoviert. Am Zentrum für Umweltforschung und Umwelttechnologie der Universität Bremen arbeitete Sie als Koordinatorin für den Forschungsbereich „Risikoforschung für Mensch und Umwelt“ und war von 2005 bis 2010 am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation als Leiterin des Institutsmanagements tätig.

Frage:

Was ist eigentlich Schluff?

Antwort:

Um den Begriff „Schluff“ erklären zu können, müssen wir einen kleinen Ausflug in die Bodenkunde unternehmen. Böden sind Teil der obersten Erdkruste und entstehen z.B. durch die Verwitterung von Gesteinen oder durch die Zersetzung von organischen Substanzen wie Blättern oder abgestorbenen Wurzeln. Je nach Standort, Ausgangsmaterial und Grad der Verwitterung unterscheiden sich deshalb unsere Böden auch in Ihrer Zusammensetzung der mineralischen Bodenbestandteile („Körner“), die verschiedene Größen besitzen. Siebt man eine getrocknete Bodenprobe, dann verbleibt je nach Maschenweite des Siebes ein Teil der mineralischen Substanz auf dem Sieb zurück, da die „Korngröße“ dieser Bodenteilchen größer ist als die Maschenweite des Siebes. Da sich durch Sieben nur die groben Fraktionen wie z.B. Steine, Kies oder Grobsand abtrennen und deren Anteile ermitteln lassen, muss man für die Bestimmung von mineralischen Teilchen, die kleiner als 0,2 mm sind, das sogenannte „Sedimentationsverfahren“ anwenden. Je nach Größe der mineralischen Teilchen unterteilt man dann in die Korngrößenfraktionen „Sand“ (2 mm bis 0,063 mm), „Schluff“ (0,063 mm bis 0,002 mm) und „Ton“ (kleiner 0,002 mm). Nun wissen wir also, dass Schluff im Boden eine bestimmte Korngrößenfraktion bezeichnet.

Bei „Lehm“ handelt es sich übrigens um eine Mischung aus Sand, Schluff und Ton. Aus der Zusammensetzung der verschiedenen Korngrößenfraktionen leitet sich die sogenannte „Bodenart“ ab. Nimmt der Anteil an Schluff 80 bis 100 Prozent ein, sprechen wir z.B. von einem „reinen Schluff“. Enthält ein Boden jedoch z.B. neben Schluff auch noch einen größeren Anteil Sand, würden wir diese Bodenart als „sandigen Schluff“ bezeichnen. In Abhängigkeit von der Bodenart besitzen unsere Böden u.a. unterschiedliche Wasser- und Nährstoffspeicherfähigkeiten und sind eher leichter oder schwerer zu bearbeiten. Man kann die Bodenart übrigens auch mit der sogenannten „Fingerprobe“ bestimmen. Dafür nimmt man etwas angefeuchteten Boden in die Hand und prüft durch Reiben zwischen den Fingern neben der Formbarkeit und Klebrigkeit auch die Körnigkeit. Dieser Test erfordert u.U. auch, dass man eine Bodenprobe zwischen den Zähnen zerreibt und wenn es knirscht … dann deutet dies darauf hin, dass der Boden, obgleich wir es möglicherweise nicht gesehen und kaum mit den Fingern erfühlt haben, auch einen kleinen Teil Feinsand enthält.

 
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