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Prof. Dr. Ulrich Weihs
Prof. Dr. Ulrich Weihs

Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst, Göttingen

Prof. Dr. Ulrich Weihs (54) hat an der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie der Georg-August-Universität in Göttingen Forstwissenschaften studiert und dort im Jahr 1993 im Fach „Waldbau der gemäßigten Zonen“ promoviert. Seit 1994 ist er Professor an der Fakultät für Ressourcenmanagement an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Göttingen. Zudem ist Weihs öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Baumpflege, Verkehrssicherheit von Bäumen und Baumwertermittlung.

Frage:

Unterscheiden sich Laubbäume in ihrer Anpassung an Trockenheit? Wie viel Wasser brauchen Laubbäume?

Antwort:

Bäume sind Überlebenskünstler und finden sich in den unterschiedlichsten Umgebungen zurecht. Während die eine Birke im feuchten Erdreich am Rand eines Bachlaufs prächtig gedeiht, klammert sich eine andere in schwindelerregender Höhe hartnäckig an die bröckelnden Fugen einer alten Mauer. Eine genaue Anzahl von Litern, die eine bestimmt Laubbaumart täglich braucht, lässt sich deshalb kaum angeben. Je nach Größe des Baumes und Standort können die Mengen gewaltig oder mickrig sein: Eine staatliche Buche, die mit ihren tiefen Wurzeln Zugang zum Grundwasser hat, schleust an einem heißen Sommertag problemlos bis zu 500 Liter durch Stamm und Blätter. Die oben genannte Birke an der Hauswand dürfte mit deutlich weniger auskommen.

Dennoch können Laubbäume natürlich nicht an jedem Standort wachsen: Ist der Boden sehr trocken (wie etwa in der Wüste) oder sehr feucht (wie etwa im Moor), sind sie überfordert. Zwischen diesen Extremen, ist jedoch (fast) alles möglich. Allerdings hat auch jede Baumart ihre Eigenart: So kommt die Moorbirke mit feuchterem Boden klar als die Linde, die Traubeneiche mit trockenerem als die Erle.

Dennoch trifft man längst nicht alle Arten, die für einen bestimmten Standort theoretisch geeignet sind, dort auch an. Die „idealen“ Gebiete in Deutschland, die eine gute Wasser- und Nährstoffversorgung des Bodens aufweisen, dominiert beispielsweise die Rotbuche. Zwar würden sich auch andere Baumarten an diesen Standorten wohlfühlen, doch werden sie von der konkurrenzstarken Buche verdrängt und müssen auf schlechtere Standorte ausweichen.

An diese schlechten Standorte mit wenig Wasser können sich die Bäume mühelos anpassen: Sie bilden kleinere Blätter aus, schützen diese durch eine dicke Oberhaut vor dem Austrocknen und wachsen langsamer. Förster, die natürlich auch am Ertrag „ihres“ Waldes interessiert sind, teilen ein und dieselbe Baumart deshalb je nach Standort in verschiedene Leistungsklassen ein: An guten Standorten können sie pro Hektar mehr Holz erwarten, als an trockenen.

Doch was geschieht, wenn sich ein Standort plötzlich verändert? Schließlich trägt nicht nur der Klimawandel dazu bei, dass manche Regionen in Deutschland trockener werden. Auch ein sehr hoher Wasserverbrauch wie etwa im Großraum Hannover kann den Grundwasserspiegel absenken und so große Gebiete „austrocknen“. Für junge Bäume sind solche Veränderungen kaum ein Problem. Sie passen sich an. Bei älteren Bäumen sieht das anders aus. Ihnen fällt es dann oft schwer, ihre gewaltigen Kronen ausreichend zu versorgen. Ein Teil der Blätter und Äste vertrocknet oder der Baum verliert insgesamt an Vitalität. Dadurch ist er  anfälliger für Krankheiten, wie etwa Pilze.

 
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